No Way Is My Way: 18 Februar 2007
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Sonntag, 18. Februar 2007

Schräge Fotos V

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179 x Huskypfoten hinterlassen

Teil XXIII

News-ABC: Sie wollten schon
immer alles über das Leben in
der Wildnis wissen?
A wie Akkus bis Z wie Zukunft.
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Akkus -bereit zum Aufladen
Endlich: Nach langen, tristen Wochen tauchte am 8. Januar die Sonne wieder hinter den Bergen auf. Mit Solarmodul unter den Armen und Akku im Rucksack gingen wir sogleich auf die angrenzende Hochebene und installierten die Geräte. Klar: Die Sonnenstrahlen waren noch schwach, und nach einer Stunde war der Zauber auch schon wieder vorbei, aber ein Anfang ist gemacht. Sobald wir sicher sind, dass der Strom reicht, wird es auch wieder neue Bilder aus dem Busch geben.

Blues - doch noch cabin fever?
Die lange Dunkelheit und das entsprechend ausgedehnte Indoor-Hüttenleben machten uns schließlich doch noch zu schaffen. Michelle nannte es den "cabin blues", eine etwas bedrückte Stimmung, irgendwo zwischen Melancholie, Eintönigkeit und manchmal sogar Langeweile. Doch die wieder aufgetauchte Sonne dürfte nicht nur den Akkus neues Leben einhauchen, sondern auch unseren etwas schwer gewordenen Gemütern.

Canasta - haushohe Führung
Canasta ist neben Backgammon (das wir noch nicht ein Mal gespielt haben, man kommt halt
zu nichts ...) unser einziges Spiel hier. Ich führe -haushoch. Michelle will das nicht verstehen, da es doch "nur ein blödes Glücksspiel" ist.

Dach: Buckelpiste aus Schnee
Unser Metall-Dach hatte uns im Sommer große Sorgen bereitet, da es für den Winter nicht isoliert war. In mühseliger Arbeit haben wir mit dem Spaten Grasfladen ausgestochen und mit diesen das Dach bedeckt. Da somit der Schnee nicht mehr abrutschen kann und die Last entsprechend groß wird, haben wir in der Hütte die Längsbalken an mehreren Stellen abgestützt. Trotzdem haben wir sicherheitshalber schon ein Mal Schnee vom Dach herunter
geschaufelt. Da oben sieht es jetzt lustig aus: Dort, wo die Grasfladen nicht dicht aneinander liegen, ist der Schnee durch die Wärme in der Hütte zum Teil weggeschmolzen. Das ganze Dach sieht jetzt aus wie eine zerrupfte Buckelpiste.

Einsamkeit: Schock bei der Rückkehr?
Seit sieben Monaten sind wir von zu Hause weg, seit sechs Monaten fernab jeglicher Zivilisation, und seit fast vier Monaten haben wir keine anderen Menschen gesehen. Wir sind schon gespannt, wie groß der Schock sein wird, wenn wir aus der Einsamkeit des Busches in die "Metropole" Whitehorse zurück kehren werden.

Frost: wieder da
Die Wärmeperiode von letzter Woche war nur von kurzer Dauer: Am 7. Januar hatte es morgens minus 5 Grad. Bis zum Abend ging es auf minus 20 runter, am nächsten Morgen waren es minus 26. Seither ist es nicht mehr wärmer geworden. .

Gesundheit: (fast) alles im Lot
Bis auf Michelles Biber-Fieber im Herbst waren wir weder krank noch haben wir uns ernsthaft verletzt. Einzig mein Magen-Darm-Trakt spielt ab und zu verrückt: Neben einem flauen Gefühl im Magen und Verstopfung habe ich oder viel mehr Michelle - vor allem mit Blähungen zu kämpfen.

Haus-Maus: immer frecher
Unsere Haus-Maus wird immer frecher. Vor ein Paar Tagen hat die Falle zugeschnappt. Wahrscheinlich findet sie bei uns genug Futter, so dass ihr Nacken entsprechend fett und damit gut gepolstert ist. Und vorgestern, als ich sie am Holzstapel herumkrabbeln hörte, habe ich mich angeschlichen, um sie zu vertreiben. Da hockt sie plötzlich auf meinem rechten Fuß! Na ja, riecht wohl auch verlockend dort, wurde zeit, dass ich wieder in die Badewanne komme. (Nachtrag: Die Falle hat gestern wieder zugeschnappt, und diesmal gab es kein Entrinnen).

Iglu: warten auf Schnee
Sobald noch etwas Schnee fällt, werden wir endlich ein Iglu bauen. Denn um überhaupt
Blöcke aus dem lockeren Pulverschnee sägen zu können, müssen wir ihn feststampfen - angesichts der niedrigen Schneehöhe würde nicht viel Baumaterial übrig bleiben. Und ein Iglu mit Grasboden ist einfach stillos ...

Jagd: keine Grouse zu sehen
Seit unserem Vorhaben, »Grouse« zu jagen, sind uns keine vor die Flinte gelaufen. Wirhaben sie allerdings auch nicht gesucht, und Michelle ist in Anbetracht unserer übermäßigen Lebensmittel-Vorrräte eh nicht mehr von der Idee des Jagens begeistert.

Kehrwoche: mit Besen auf die Landebahn
Neuschnee kleine Unebenheiten des Airstrip ausgleichen. Den großen Löchern rücken wir mit Schaufeln und Plastikplanen voll Schnee zu Leibe.

Lesen: Stoff geht aus
Unsere abendliche Lieblingsbeschäftigung ist immer noch Lesen. Da allerdings kaum noch neuer Lese-Stoff vorhanden ist, widmet sich Michelle der »Inneren Medizin«, ich quäle mich
durch Stephen Hawkings »Die kurze Geschichte der Zeit«.

Mond: wieder voll da
In ein paar Tagen ist es wieder soweit: Vollmond. Für uns die schönste Stimmung hier im
Yukon; wenn er seine langen Schatten wirft, den Schnee zum Glitzern bringt, die Nacht zum Tag macht und wir eingepackt in Daunenjacken den Zauber beobachten. Nur wann der Mond
wo auftaucht, das haben wir noch nicht so ganz begriffen. Vielleicht sollten wir zu Hause mal wieder ein Planetarium besuchen..

Nordlicht: kaum zu sehen
Nordlichter gehören zu jedem ordentlichen Yukon-Trip. Aber so wenig sich den Sommer über ein Grizzly bei uns blicken ließ, so wenig Nordlichter haben wir bisher beobachen können. Das mag aber auch am meist bedeckten Himmel liegen. Immerhin: Die letzten Nächte waren sternenklar, und am Samstag zeigten sich auch einige Nordlichter - ganz zaghaft .Jeden Tag freuen wir uns über unseren kleinen Ofen: Er zieht gut, man kann bequem darauf kochen,
und wenn draußen die Temperatur unter minus 30 Grad fällt, kuscheln wir uns um ihn herum
und genießen seine knisternde Wärme. Es ist (zum Glück) kein typischer Yukon-Ofen, wie er traditionell in solchen Busch-Camps verwendet wird: dünne Blechöfen, die leicht sind und billig (ab 60 Dollar), eine Hütte schnell einheizen und je nach Größe auch eine Menge Holz schlucken. Doch sie haben auch Nachteile: Das Kochen ist aufwendig und umständlich, da
das Holz von oben nachgefüllt wird (genau von dort, wo der Topf steht), und durch das dünne Blech kühlen sie ruck, zuck aus. In Whitehorse hat man uns erzählt, dass diese Öfen auch "Hippie-Killer" genannt werden. Soweit wir die Geschichte richtig verstanden haben gab es eine Zeit, als Hippies in die Wälder des Yukon zogen. Sie hausten in Zelten und installierten darin ihre Yukon-öfen, und da diese sehr schnell sehr heiß werden, wurden sie eben manchmal zu heiß und brannten die Zelte nieder. Dadurch sind die Hippies erfroren. Nicht so unser Ofen: Er ist aus dickerem Material, Holz wird von vorne nachgelegt, und er wärmt auch gut nach. Abends umstellen wir ihn zusätzlich mit Steinen, die dadurch aufgeheizt werden und über Nacht die gespeicherte Wärme langsam wieder abgeben.

Querfeldein: über die Büsche
Durch den Schneefall in den ersten Januar-Tagen hat es die Büsche, die weite Teile der Landschaft bedecken, mächtig nach unten gedrückt. Bei vorher sehr hohen Büschen (über
Körpergröße) bilden sie jetzt große, tunnelartige Hindernisse, dafür liegen die vormals kleinen Büsche fast auf dem Boden, so dass man freie Sicht hat und recht gut querfeldein laufen kann sofern man nicht ständig mit den Schneeschnuhen hängenbleibt.

Rainer Höh: wieder im Yukon
Letzte Woche bekamen wir Nachricht von Rainer Höh: Er kommt diesen Winter wieder in den
Yukon für eine große Hundeschlitten-Expedition. Wenn alles klappt, werden wir uns in Dawson auf ein (oder zwei) Bier treffen. Rainer Höh ist freier Autor (den aufmerksamen Lesern des outdoor-Magazins sicher bekannt) und hat vor über 20 Jahren in der Nähe
von Dawson eine Blockhütte gebaut - das daraus entstandene »Blockhüttentagebuch« steht
natürlich auch in unserer Cabin im Bücherregal.

Schnee: Mangelware im Yukon
Der Winter im Yukon scheint dieses Jahr schneearm zu sein, zumindest weiter im Süden und
Westen. Einige Musher mussten schon weite Wege auf sich nehmen, um eine fahrbare Unterlage zu finden. Doch wir können uns nicht beschweren: Seit 2.Oktober haben wir eine geschlossene Schneedecke. Sie ist zwar nur einen Meter tief, aber was für den Bau eines Iglus hinderlich ist, erleichtert uns das Schneeschuh-Wandern enorm.

Tour: bald geht es wieder los
In den nächsten zwei Wochen wollen wir zur nächsten kleinen Tour starten. Geplant sind maximal 4 Tage, bevor wir dann Mitte Februar, je nach Wetter, noch einmal für zirka 7 bis 10 unterwegs sein werden.

Überfluss: zu viel Lebensmittel
Unsere Lebensmittelvorräte schwinden nur langsam. Vor allem Mehl, Schrot, Käsepulver,
Olivenöl, Peanutbutter und Milchpulver haben wir im Überfluss. Das hat verschiedenen Gründe: Wir fliegen etwas früher raus als ursprünglich geplant, eine Sicherheitsreserve war von vornherein mit einkalkuliert, und die frischen Lebensmittel, die unsere Besuche im Sommer mitgebracht hatten und eigentlich nur als "Bonbon" gedacht waren, hielten sich viel
länger als gedacht. Vor allem von Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Margarine und Speck haben wir erstaunlich lange gezehrt. Und dann kamen ja zwischendurch noch ein paar Kilo Elchfleisch eingeflogen ...

Vermissen: Musik und Menschen
Nach den ersten Wochen hier im Busch träumten wir von frischem Salat, Hamburgern und einer Flasche Rotwein. Doch mittlerweile vermissen wir solche Leckereien gar nicht mehr so sehr, dafür freuen wir uns auf andere Dinge: Musik aus dem Autoradio, während wir den Alaska-Highway entlang fahren, durch eine Mall schlendern und davon fasziniert
sein, was es alles zu kaufen gibt, Bücher lesen, um den neu entfachten Wissensdurst zu stillen, oder einfach nur in einem Café sitzen, Kaffee trinken und dem Gemurmel der Menschen zuhören.

Wasser: immer noch abkochen
Seit Michelles Biber-Fieber kochen wir das Wasser konsequent ab. Wir vermuten zwar, dass sie den Erreger doch nicht von unserem Fluss bekommen hat (sondern von einem kleinen Bach, aus dem nur sie bei einer Wanderung im Sommer getrunken hat), aber wir gehen lieber auf Nummer sicher. Das Eis auf dem Fluss ist an der Stelle, an der wir es aufhacken,
zirka einen Meter dick. Mit Spitzhacke (und aufgesetzter Skibrille!) kommen wir aber ganz gut ran.

XL-Klamotten: bald nötig?
Wir haben wohl beide etwas zugenommen hier im Busch - trotz Holz hacken, Schneeschuh-Wandern und "nordic power walking" beim Plätten der Landebahn. Aber einer Diät ist wohl doch nicht notwendig, denn vor ein Paar Tagen haben wir unsere bequemen und
zum Teil ausgebeulten Fleecehosen auszogen, um die Sommerhosen anzuprobieren: Sie passen noch.

Yukon River: Endziel Dawson
Der Weg, der uns im Sommer aus der Zivilisation zu unserer cabin führte, war extrem spannend: Vom Macmillan Pass an der Grenze zu den Northwest Territories in vier Tagen mit Pferden zu einem Jagdcamp, von dort weitere drei Tage zu Fuß bis zur Hütte. Und wie
schön wäre es, mit dem Kanu wieder in die Zivilisation zurückzukehren: Von unserem Fluss in den Hess River, der mündet in den Stewart und der schließlich in den Yukon River. Dann könnten wir in Mayo oder sogar erst in Dawson City aussteigen. Aber erstens haben wir hier kein Kanu, und zweitens müssten wir bis zum Hochsommer warten, um die Flüsse paddeln zu können, denn der Winter hier in den Bergen dauert lang - wir aber müssen Ende Mai
bereits wieder in Deutschland sein. Und bis dahin? Siehe "Zukunft".

Zukunft: der Plan steht
Unser Plan für die nahe Zukunft ist folgender: Wir bleiben bis zirka Mitte März im forkscamp. Dann fliegen wir raus nach Whitehorse, besuchen befreundete Musher von Blue Kennels und Glanzmann Tours, kaufen uns ein altes Auto, fahren noch zirka zwei Wochen durch das Yukon Territory, treffen eventuell Rainer Höh (siehe oben) sowie die Teilnehmer der »Bikesonice-Expedition«, die mit dem Fahrrad auf dem Yukon River bis nach Nome in Alaska fahren wollen, tuckern dann gemütlich runter nach British Columbia, treffen dort vielleicht Dirk (der uns im Sommer hier besucht hat und wie jeden Winter -Skiurlaub in Kanada macht),kommen Mitte bis Ende April in Seattle an, lassen unser Gepäck bei Michelles Dad und fahren schließlich nach Kalifornien und legen uns dort an den Strand. Am 20. Mai fliegen wir dann zurück nach Deutschland, wo wir noch den ganzen Juni frei haben. Noch irgendwelche
Fragen?
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